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Interview mit Padre Carmelo

„Eine eucharistische Pfarrei“

Date: 10. April 2010 , Originally published Juli, 2005
Category: Interviews
Padre Carmelo, du warst zwei Jahre lang in Medjugorje: woher hattest du die-se Möglichkeit, was hat diese Erfahrung für dich bedeutet und was bedeutet sie heute für dich?

Ich muss sagen, dass ich in Medjugorje gewesen bin, weil die Madonna mich gerufen hat, und sie hat sich dabei eines kleinen Artikels des ECHO MARIENS Königin des Friedens bedient, der sagte, dass es keinen italienischen Priester gäbe, der die italienisch sprechend Pilger betreuen würde. Das habe ich als Ruf im Grund meines Herzens aufgenommen. Ich habe die Madonna gefragt, ob sie mir ein Zeichen gäbe um zu verstehen, dass dies wirklich ihr Ruf sei: dass sie mir ein Billet verschaffe und für den Unterhalt sorge. Bald geschah dies so, denn ich war zum Essen unter Freunden und einer von ihnen sagte, dass er ein Billet nach Medjugorje zu viel hätte, und es jemandem geben möchte. ... Ich ging also nach Medjugorje, erfrug Klarheit bei Pater Slavko, der mir bestätigte, dass die Madonna mich rief, dort zu bleiben, um die Vorhaben Gottes zu verstehen.

Ich bin in Medjugorje fast zwei Jahrelang geblieben (1995-97). Ich betreute die Pilger italienischer und französicher Sprache, hielt Eucharistische Anbetung und stand vor allem für die Beichten zur Verfügung, die viel Zeit beanspruchten. Ich hörte circa 8-10 Stunden Beichte im Tag. Ich sah die Gnade Gottes auf unglaubliche Art vorüber ziehen, sichtbar, denn ich befand mich innerhalb der Gnade aber bemerkte es nicht, dass ich in der Gnade lebte. Alles schien mir so normal, was es eigentlich nicht war ... Es war allein die Gnade Gottes, die diese unmöglichen Dinge möglich machte!

Nach dieser Erfahrung, wie führt dich die Madonna jetzt? Wie entwickelt sich dein Leben und dein Priestertum?

Als ich von Medjugorje wegging, habe ich die Madonna vor allem gefragt, dass sie mich begleite, indem ich sie an ihre eigenen Worte erinnerte: „Ich werde immer bei euch sein“. Ich erlebte die Erfahrung, mich ihr zu weihen, ihrem Unbefleckten Herzen, nicht durch eine Formel (auch wenn ich einen Weiheweg gemacht hatte), sondern ich ging in Medjugorje durch ihren mütterlichen Schoss und wurde neu geboren. Ich bekam einen neuen Lebensstil, ein neues Denken, vor allem ein neues Sein, als Mensch, als Christ und als Priester.

Darum habe ich der Madonna jeden meiner Schritte geweiht, jedes meiner Worte, jede Tat, jede pastorale Aktivität, all das was der Herr mir für die Zukunft bereit hält. Ich bin sicher, dass Maria vor mir hergeht und alles vorbereitet, denn alles gehört ja ihr. Es gibt nichts mehr, das mir gehört, alles ist ihr; alles was ich bin und was ich hab. Dieses Neu-geboren-Werden trug mich in ein neues Leben, das nicht immer verstanden wird von denen, die hätten verstehen sollen.

Ich begann, die „Fünf Steine“ zu leben, die Maria empfiehlt, und sie haben das Mass meines Priestertums vervielfältigt. Zurückgekehrt nach Italien vertraute mir der Bischof eine kleine Pfarrei in den Bergen bei Vigliatore (Prov. Messina) an, wo die Leute gewöhnt waren, nur am Sonntag einen Priester zu sehen. Ich fuhr fort, Eucharistie zu feiern, Anbetung zu halten und die Stundengebete zu feiern, als wäre es eine grosse Kathedrale. Ich sagte mir: „Herr, für Dich bin ich Priester, zu Deiner Ehre und zum Heil der Seelen, mögen sie hier sein oder nicht; ich kann doch nicht meine Zeit und meine Liebe für Dich zurückschrauben nur weil nicht viele Leute da sind!“ Nach und nach haben die Leute angefangen, sich zu nähern und diesen Lebensstil mit mir zu teilen. Es war ein Mich-führen-Lassen durch die Madonna im Leben des Evangeliums, ohne „Wenn und Aber“, ohne feste Regeln, aber gelebt im Atem der universellen Kirche, mit dem Papst, dem Bischof, im Gehorsam.

In deiner Pfarrei war ich sehr betroffen von der lebendigen Erfahrung der Gläubigen in der Messe: es verwirklicht sich, um was die Madonna in Medjugorje bittet, dass um die Eucharistie herum sich eine Pfarrgemeinde erneuern kann. Wie haben die Pfarrangehörigen darauf geantwortet? Wie nehmen sie teil? Wie ging diese Entwicklung vor sich?

Als ich ankam, begann die Pfarrei einen „Weg der Weihe an Maria“. Sachte sachte wurde sie auch empfindsamer gegenüber den Geheimnissen Gottes. Nach der Weihe haben wir ein grosses Geschenk erhalten: die ewige Anbetung, nun seit mehr als einem Jahr, Tag und Nacht, jede Woche, durch alle Monate. Und das dank einer Anbetungsstunde pro Woche, wo alle sich anschliessen. So bleibt Jesus 24 Stunden am Tag ausgestellt mit der Gewissheit, dass immer jemand betet. Diese Anbetung hat sich natürlich aus der Feier der Eucharistie ergeben, einer aufmerksam gefeierten Eucharistie, ohne auf die Zeit zu achten, in der Begegnung mit Jesus, der im Wortgottesdienst spricht, der sich in der Eucharistie hingibt ... Und aus dem Bedürfnis, Ihm weiter zuzuhören und mit Ihm von Herz zu Herz in Anbetung sich auszutauschen.

Es ist wirklich ein Wunder, unterdessen hat die Pfarrei knapp 2000 Gläubige und ich bin allein, ohne Gemeindehelfer, und die Pfarrei bringt es fertig, die ewige Anbetung durchzutragen.

Du hast keine Pfarreihilfe, doch viele Leute helfen dir, die Messe zu beleben und in den Momenten des Gebets ...

Grosse Hilfe kommt von den Laien. Sie sind es, die die Anbetungsstunden betreuen, die die Eucharistiefeier beleben. Indessen gibt es, quasi als Herz der Pfarrei, eine Bruderschaft, die sich „Kleine Herde der Unbefleckten Mutter der Göttlichen Barmherzigkeit“ nennt Sie begann mit fünf Schwestern, die sich entschlossen hatten, gemeinsam zu leben, dann durch Brüder und durch Familien. Sie haben dem Herrn ihr ganzes Leben geweiht und die Mitglieder können Sauerteig des Gebetes und des Zusammenhalts im Innern der Pfarrgemeinde sein.

Wie ist das alles geschehen, wie ist dies real möglich?

Diese Fraternität ist als Antwort „geboren“ worden, einerseits an Gott, der in mein Herz diesen Wunsch gepflanzt hat, andererseits ist sie eine Antwort an die Leute, die nach einem neuen Lebensstil fragten, der engagierter, evangelischer und radikaler war. Als ich nach Italien zurückkehrte fragten sie nach meiner Erfahrung in Medjugorje und ich wusste nicht, was sagen; es galt, eine Erfahrung zu machen. Ich bezeugte nur, dass ich mich total Ihr anvertraut hatte, das Zurückkehren in ihren Schoss und das Geborenwerden zu neuem Leben. Ich habe einen Weg von 33 Tagen für die Weihe an die Heiligste Dreifaltigkeit durch Maria vorgeschlagen, denn sie ist es, die uns entdecken lässt, dass wir Kinder Gottes sind, im Herzen der Dreifaltigkeit leben, und darum unser Leben als Hingabe an den Vater zum Heil der Welt darbringen. Es ist eine breite Bewegung entstanden die sich „Siehe deine Mutter“ nennt. Viele haben diesen Weg aufgenommen. Zur Zeit sind es etwa sechstausend Geweihte. Jeder lebt die Weihe auf seine besondere Weise, es gibt die, die sie auf einen einfachen Akt der Verehrung reduziert haben und solche, die daraus ihren Lebensweg machten. Es gibt jene, die in Maria das eigentliche Leben eines Christen leben. Im Innern der Bruderschaft „Siehe deine Mutter“ ist auch noch die Gemeinschaft der „Kleinen Herde“ entstanden aus dem Wunsch einiger Schwestern, die das gemeinschaftliche Leben in der Pfarrei begonnen hatten.

Hast du dem Vater einen Wink gegeben auf sein Angebot hin für die Heilung der Seelen, wie erlebt ihr diese Seite des Opfers?

Wir spüren, dass der Herr uns ruft, uns der Göttlichen Barmherzigkeit als Opfer anzubieten, nicht im negativen Sinn des Leidens, aber ein sich opfern als Hingabe, als Geschenk, wie Jesus; ein freudiges und bewusstes sich opfern wie Maria. Liebesopfer sein zur Heilung der Seelen; ein Vorhaben, das sich vor allem im Feiern der Eucharistie vollzieht, dort vereinen wir uns mit Jesus auf dem Altar, Opfer und Priester. Ich als Priester spüre dies sehr stark, wo ich in der Eucharistie wahrhaft die Enden der Erde berühre im gemeinsamen Opfer mit Jesus. Aber das gilt auch für jeden, weil wir gerufen sind, uns hinzugeben als „heiliges und Gott angenehmes Opfer; das ist der geistliche Gottesdienst“ ,sagt der heilige Paulus. Es ist ein unablässiges Hinauf tragen des Geschenkes von Jesu Leben zum Vater. Und zusammen mit dem Leben Jesu auch unsres Lebens. Dann, im Alltag, in all dem, was der Herr uns zu leben gibt, ohne zu fragen wozu, weshalb, aber im Wissen, dass alles vom Herrn kommt und wir Ihm alles als Danksagung zurückgeben müssen, als Gabe, um Barmherzigkeit und das zweite Kommen Jesu zu erflehen.

Könntest du uns ein wenig von deinem Priestertum erzählen, von all dem, was du in dir und um dich herum entstehen siehst?

Diese Seite des Priestertums ist ganz verbunden mit dem Priestertum Jesu und hat universelle Tragweite. Priester sein bedeutet, die Menschen zu Gott und Gott zu den Menschen zu tragen und nicht bloss der Ort zu sein, wo man die Hingabe Jesu als Opfer feiert. Das Priestertum wird so zum Dienst und Gewinn der Gnade, zum Geschenk an Gott von seiten der Menschheit; denn durch den Dienst der Beichte trage ich das Leiden der Menschen vor Gott, die Probleme der Menschen aller Zeiten, der ganzen Welt. Die Gottesmutter hat mich in Medjugorje verstehen gelernt, wie gross der Priesterdienst ist, vor allem im Sakrament der Versöhnung. Damals war ich in einer Krise, weil ich im Beichtdienst nicht spürte, dass die Seelen von der Gnade des Verzeihens berührt wurden. Aber in Medjugorje durfte ich grosse Wunder erleben: es kamen Menschen, belastet und gezeichnet von ihrer Sünde, auch ihr Gesicht war traurig, angespannt, hart, unschön. Während der Beichte sah ich die Seelen auferstehn und die Gesichter wurden strahlend. Nach einem Jahr hab ich gelesen, dass die Madonna den Priestern versprochen hatte, sie durch den Dienst am Sakrament der Beichte zu erneuern!

Auch in der Seelenführung sehe ich, wie wichtig es heute ist, dass der Priester Vater sei, dass er das Bild der Vater- und Mutterschaft Gottes darstelle, denn diese Seite des Priestertums, Vater und Mutter zu sein, wirkt heilend in den verwundeten Seelen. Sie sind verwundet durch eine Vater- und Mutterschaft, die nicht mehr dem Spiegel des göttlichen Bildes entspricht. Ich denke, dies sind wirklich die Zeiten, wo Gott Sich selbst den Seelen zurückgeben will durch Maria, durch die Kirche und den priesterlichen Dienst.

In all dieser deiner Erfahrung, wie du sie uns beschrieben hast, ist es klar, dass du durch die Schule Mariens gegangen bist. Wie verstehst du das danken an unsere geliebte Mutter?

Ich schulde ihr alles und das ist mir bewusst heute mehr als gestern. Ich habe die wahre Identität Jesu entdeckt, weil sie mir durch Maria gegeben wurde. Ich habe auch das Wirken des Heiligen Geistes wieder gefunden, das Leben aus der Kraft des Geistes. Gott hat sich ganz Maria anvertraut um in diese Welt zu kommen; so ist es normal, dass wir uns alle Maria anvertrauen müssen um zu Gott zu gelangen. Es gibt keinen andern Weg.

(Interview durch P. Arpad)

 

Source: Echo of Mary ( www.ecodimaria.net ^ )

 


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