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Einladung zur Täglichen Schriftlesung

Date: 16. November 2005 , Originally published 10. November 2001
Author: Kurt Knotziger
Category: Theologie

Einführung

In den Botschaften von Medjugorje findet sich viermal die Aufforderung, die hl. Schrift zu lesen. Am 18.10. 1984 hieß es: "Heute lade ich euch ein, dass ihr in euren Häusern jeden Tag die Bibel lest. Sie soll an sichtbarer Stelle liegen, damit sie euch immer zum Lesen und zum Beten anregt". Eine spätere Botschaft greift diese Einladung sehr nachdrücklich auf: "In jeder Familie muss miteinander gebetet und die Bibel gelesen werden."(Botschaft vom 14.2.1985). Zwei weitere Botschaften nennen Gründe, warum die Schriftlesung so wichtig ist: "Betet und lest die Heilige Schrift, damit ihr durch die Heilige Schrift die Botschaft für euch durch mein wiederholtes Kommen entdeckt", und: "Lest die Heilige Schrift, lebt und betet sie, damit ihr die Zeichen dieser Zeit begreifen könnt".(25.6.1991 und 25.8.1993). -

In einem Seminar für Leiter von Gebetsgruppen und Pilgergruppen nach Medjugorje, darf ein Referat über die Praxis der Schriftlesung nicht fehlen. Zu diesem Thema werden von Menschen, die sich am Leben der Botschaften von Medjugorje orientieren wollen, immer wieder Fragen gestellt. Die häufigste Frage geht von der Erkenntnis aus, dass in den Botschaften nichts Neues über den Glauben gesagt wird und auch keine Kommentare zu aktuellen Ereignissen gegeben werden. Wiederholt haben die Seher darauf hingewiesen, wenn sie betonen, dass die Antwort auf Fragen, die sie der Gottesmutter vorlegen sollten, alle in der Heiligen Schrift enthalten seien. Wozu dann Botschaften der Gottesmutter, wenn ohnedies alles in der Schrift zu finden sei?

Dazu ist vor allem zu sagen, dass die Botschaften sehr nachdrücklich die Lesung der Bibelverlangen und damit auf das hinweisen, was uns Gott durch das Wort der Offenbarung sagen will. Die Heilige Schrift ist die Ur-Kunde unseres Glaubens in der doppelten Bedeutung des Wortes: Sie sagt uns, was Gott über sich und als Weisung für uns mitgeteilt, geoffenbart hat und was damit Grundlage für unseren Glauben ist; die Heilige Schrift ist aber auch das für uns verbindliche Dokument, in dem das alles niedergeschrieben wurde. Die Bibel erzählt also lobend und dankend von den Großtaten Gottes und seiner ewigen Herrlichkeit, sie ist aber auch Wegweiser für uns auf dem Weg des Heiles, um immer mehr mit Gott verbunden und miteinander zum Volk Gottes zu werden. Für Gebetgruppen, die vielerorts entstanden sind und nun gemeinsam die Heilige Schrift lesen, ist es wichtig, eine kundige Begleitung zu haben. Jede theologische Einführung in die Bibel geht davon aus, dass die Heilige Schrift Gottes Wort in menschlicher Sprache ist, in einem für uns fremden Kulturkreis vor langer Zeit niedergeschrieben. Zum richtigen Verstehen braucht es daher Kenntnis dieser Zusammenhänge, der damaligen Sprachgewohnheiten und der Lebensumstände. Der biblische Text muss aber auch als Wort Gottes für unsere Zeit erkannt werden, muss aktualisiert werden, erst so kann es zu einer korrekten Interpretation kommen. Ohne das zu beachten besteht die Gefahr, sich in fundamentalistische Irrtümer zu verstricken. Weil aber das wichtigste Ziel jeder Beschäftigung mit der Heiligen Schrift die Vertiefung des Glaubens ist, werden wir sehr eindringlich darauf hingewiesen, die Schriftlesung immer mit dem Gebet zu verbinden. Die Bibel ist kein Lesebuch, sie ist Hilfe für unser Gebet und Wegweisung für den Lebensweg. In den Gebetsgruppen von Medjugorje wird vor einer Schriftlesung immer auch um den Beistand des Heiligen Geistes gebetet. Jesus hat für die Zeit nach Seinem Weggang versprochen: "Ich werde euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit."(Joh.14,16f), der uns alles lehren und uns an alles erinnern wird (Joh.14,26). Um das geht es auch bei den Einladungen der Gottesmutter: dass wir um den Heiligen Geist beten, damit wir alles verstehen können. Vor allem in der Zeit vor Pfingsten hat sie wiederholt eingeladen, um die Ausgießung des Heiligen Geistes zu beten, um den Geist des Gebetes und der Wahrheit zu bitten und offen zu sein gegenüber dem Heiligen Geist, der erleuchtet und der uns auch befähigt, Zeugnis zu geben von der Anwesenheit Mariens in Medjugorje.

Besondere Schwierigkeiten erwachsen bei der Schriftlesung erfahrungsgemäß bei der Beschäftigung mit dem Alten Testament. Hier ist es besonders wichtig, darauf hinzuweisen, dass die meisten Bücher des Alten Testamentes in einem langen Überlieferungsprozess entstanden sind. Gott hat sich den Patriarchen und Propheten geoffenbart, diese haben mündlich und auch schriftlich weitergegeben, was sie empfangen haben. Die Lehrer des Gottesvolkes haben das überlieferte Gotteswort betend durchdacht und auch erklärt und so erweitert, bis in späterer Zeit endgültig niedergeschrieben wurde, was auf diese Weise tradiert worden ist. Wichtig für uns ist, dass diese Niederschriften von Jesus selbst und von der Urkirche als Heilige Schrift anerkannt worden und der Kirche als solche weitergegeben worden sind. Das Alte Testament hat auf Jesus hingewiesen und auf Sein Kommen vorbereitet. Manches in den Texten ist nur aus dem Verständnis der damaligen Zeit erklärbar. Jesus hat über manches gesagt: " Den Alten ist gesagt worden..., ich aber sage euch". Erst durch das Neue Testament findet die Offenbarung Gottes ihre Vollendung und früher Geoffenbartes seine Erklärung. Im einzelnen wird es aber immer wieder erforderlich sein, bei kompetenten Stellen nachzufragen, wenn man beim Verständnis von schwierigen Schrift- stellen nicht weiterkommt.

Sinnvoll ist eine fortlaufende Schriftlesung, die Zusammenhänge deutlich macht. Eine solche "Bahnlesung" ist natürlich eine Möglichkeit und soll nicht als starre Ordnung verstanden werden. Besondere Anlässe oder Festzeiten verlangen nach darauf abgestimmten Texten. Für Priester und Ordensleute, die in ihrem Stundenbuch ohnedies eine tägliche Schriftlesung vorgesehen haben, empfiehlt sich nicht eine weitere Fortsetzungslesung, viel ertragreicher ist es, auf die verpflichtende Lesung mehr Sorgfalt zu verwenden, den Text betrachtend zu lesen oder auch in Kommentaren nachzuschlagen, um ein besseres Verständnis zu erreichen.

Im besonderen sei hier auch auf die Liturgie der Messfeier verwiesen. Die Mitfeier der Liturgie soll ja Höhepunkt und Kraftquelle unseres Glaubenslebens sein, so fordert es jedenfalls das Lehrschreiben des Konzils "Über die Liturgie". In der Messfeier wird ja nicht nur die Erlösungstat gegenwärtig gesetzt, hier sind wir auch um Christus versammelt und hören Sein Wort, das Er an uns richtet. Daheim können dann die gehörten Schriftstellen nocheinmal nachgelesen werden, können langsam durchdacht und noch einmal mit den Gedanken der Predigt, wo eine solche gehalten wurde, in Verbindung gebracht werden. Genauso ist eine Vorbereitung auf die Messfeier wertvoll, bei der man die Tageslesungen im voraus erfährt. Als Zusammenfassung aller Anregungen kann die Aufforderung der Botschaft vom 25.August 1993 angesehen werden: "Lest die Heilige Schrift, lebt sie und betet, damit ihr die Zeichen dieser Zeit begreifen könnt!"

In diesen Zusammenhang passt auch die Feststellung mancher Priester, die sagen, dass sie die Botschaften als wertvolle Quelle bei ihren Predigtvorbereitungen verwenden. Die Botschaften sind schon für sich genommen wie Predigten, durch die in der Bibel niedergelegte Offenbarungen neu aufbereitet werden. Dabei finden sich Formulierungen, die sich geradezu zum Weitersagen aufdrängen. Eine Verwendung der Botschaften zur Predigtvorbereitung ist auch deshalb berechtigt, weil sie ganz im Zusammenhang mit der Mitte des Evangeliums zu sehen sind. Der Wiener Pastoraltheologe, Universitätsprofessor Paul Zulehner sagte: "Dass Medjugorje nicht von der Bibel wegführt, sondern zu ihr hinführt, das ist für mich eines der wichtigsten theologischen Kriterien, dass sozusagen Maria nicht die Endstation ist, sondern der Wegweiser".

Es ist immer gut, sich auf einfache Weise an das Wort Gottes zu halten, darüber nachzudenken und es im Gebet auf sich wirken zu lassen. Die Gottesmutter kann uns dabei Vorbild sein. Zweimal lesen wir im Lukasevangelium, dass sie über die Worte und die Ereignisse um Jesu nachdachte und in ihrem Herzen erwog und bewahrte, was alles bedeuten soll. So soll das Wort Gottes eindringen in das Herz des Menschen und hier fruchtbar werden. Wenn man die Bibel zur Schriftlesung in die Hand nimmt, dann ist sie nicht mehr ein gewöhnliches Buch, sondern enthält eine Botschaft, die Gott ganz persönlich an den Leser, bzw. an den Hörer, richten will. Am besten ist es, die Botschaft so anzunehmen, als hörte man sie das erste Mal, so kann man am besten den Sinn der Worte aufnehmen. Wer so seine ganze Aufmerksamkeit auf den Bibeltext lenkt, der sucht darin die verborgene Wahrheit für sich und erkennt, dass dazu das Licht des Heiligen Geistes notwendig ist. So verbindet sich von selbst die Lesung mit dem Gebet, und das Herz wendet sich immer intensiver Gott zu. Von dieser Zuwendung, dieser "Bekehrung des Herzens", ist in den Botschaften von Medjugorje von Anfang an die Rede. Wer so die Heilige Schrift liest, in dem erwacht eine tiefe Sehnsucht, Gottes Wort nicht nur immer tiefer zu erfassen, sondern auch immer mehr zu erfüllen, was es konkret von einem verlangt. So wird die Schriftlesung zu einer Zeit, die dem Gebet gewidmet ist, die sich aber auch in einem gottgemäßen Tun, in einer Actio, die ganz getragen ist von der Inspiration der Bibelworte, auswirkt.

Wer ausgehend von den Botschaften von Medjugorje die Bibel liest, wird ähnlich wie der Schriftkundige, bei Beschäftigung mit den Botschaften, die inhaltliche Parallelität entdecken. Als Beispiel seien einige solche, in Beziehung stehende Texte, angeführt. Da ist einmal der Gleichklang des Anfangs zu nennen. "Glaubt an das Evangelium" und "das Reich Gottes ist nahe", so lesen wir am "Anfang des Evangeliums von Jesus Christus" (Mk.1,1u.1,15). Der Appell zu glauben und das Bewusstsein der Nähe des Gottesreiches wird in Medjugorje neue Wirklichkeit. Auch hier begann es mit dem Aufruf zur Bekehrung, und auch hier ist die Nähe des Gottesreiches zu erleben, von hier aus entfaltet es sich neu und unübersehbar:

Johannes der Täufer hat den Ruf zur Bekehrung im Auftrag Gottes verkündet (Mk.1,15), am Fest des Täufers begannen die Ereignisse in Medjugorje. Der Aufruf zur Bekehrung ist die Grundlage der dort an die Menschen gerichteten Botschaften. Als Schritte auf dem Weg der Bekehrung werden auch in Medjugorje das Beten und das Fasten betont, was Jesus den Seinen auch empfohlen hat (vgl.Mt.5,5-18 u. Mk.9,29). Vom Gebet ist im Evangelium und in den Botschaften gesagt, dass wir darin nicht nachlassen dürfen, denn im Gebet wenden wir uns Gott zu. Das Fasten wird da und dort als unverzichtbar genannt, weil es uns frei macht von den Fesseln an Vergängliches und damit frei macht für Gott und Seine Ansprüche. Von größter Bedeutung ist sowohl in der biblischen Offenbarung als auch in den Botschaften von Medjugorje der Friede als Geschenk Gottes, aber auch als Frucht menschlichen Bemühens. Der Friede wird den Menschen als Aufgabe gestellt, das Evangelium preist die Friedensstifter selig (Mt.5,9).

Unmissverständlich sagt aber die Bibel gleichzeitig, dass der Friede von Gott kommt: "Der Herr segne sein Volk mit Frieden", betet der Psalmist (Ps.29,11), und der Segenswunsch des hl. Paulus ist: "Der Herr des Friedens schenke euch den Frieden"(2Thess.3,16). Genau das Gleiche betonen die Botschaften von Medjugorje: Die Bedeutung des eigenen Tuns für den Frieden und die Notwendigkeit, diesen als Geschenk von Gott zu erbitten.

Das alles bedeutet nicht eine Ergänzung oder gar einen neuen Abschnitt der Offenbarung, sondern erweist sich als drängender Aufruf, im Leben zu verwirklichen, was uns schon im Gotteswort der Heiligen Schrift gesagt ist. Die Besonderheit der Botschaften von Medjugorje liegt darin, dass sie von der Mutter "ihren lieben Kindern" gesagt ist. Als Mutter der Christenheit und Mutter der Kirche bringt Maria das Evangelium ihres Sohnes liebevoll, aber auch nachdrücklich in Erinnerung.

Auf eine sehr aktuelle Bedeutung der Botschaften von Medjugorje im Blick auf die Heilige Schrift hat Schwester Emmanuel aus der Gemeinschaft der Seligpreisungen hingewiesen. Von Medjugorje sendet sie regelmäßig an die Abbaye Blanche in Mortain, Frankreich, wo sie zu Hause ist, Nachrichten aus Medjugorje, die dann in alle Welt verbreitet werden. Am 15.Jänner 1994 hieß es darin: "Wir werden überschwemmt von einer Flut von Prophezeiungen, einer wirren, beängstigenden, widersprüchlichen Flut. Wir sagen der Gospa danke, dass sie uns an die Quelle des wahren Lichtes, die die lebendige Offenbarung der Bibel ist, zurückführt."

Vicka berichtete einmal: "Die Muttergottes sagt, nehmt jeden Tag in der Frühe die Bibel und lest einige Zeilen und das lebt dann im Laufe des Tages. So werdet ihr die Antwort finden auf das, was der Tag bringt". Das heißt, wir dürfen nicht erwarten, dass durch das Lesen der Heiligen Schrift die Antworten aufblitzen auf unsere Fragen. Wer aber regelmäßig in der Heiligen Schrift liest, der wird vom Geist Gottes, der ja durch die Heilige Schrift zu uns redet, immer mehr durchdrungen werden und so die Antworten auf die Fragen des Lebens finden. Die irrige Ansicht, dass man aus der Bibel sofort Antwort auf jedes Lebensproblem erhalten kann, muss zurückgewiesen werden.

 

Source: © Information Centre "Mir" Medjugorje ( www.medjugorje.hr ^ )

 


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